7 Kriterien guter Yogalehrer und meine ersten Schritten auf der Matte – Wie alles begann…

Ich blätterte durch ein Magazin, als ich Yoga für mich entdeckt habe. Die Illustrationen erinnerten erstaunlich präzise an jene Verrenkungen, mit denen ich mich nach dem Joggen gerne spielte, um nicht mit einfachem Dehnen zu langweilen. Einige Tage später saß ich bereits in meinem ersten Yoga Kurs – und um ein Haar wäre es auch mein letzter gewesen.

Es ist etwa sechs Jahre aus. Damals bin ich gerade aus der Kirche ausgetreten, war alles andere als spirituell und auf der Suche nach Glück. Was ich vorfand war ein Yogalehrer, der gerade zwei Jahre  lang religiöse Texte studiert hatte, hochspirituell und obendrein noch ziemlich unzufrieden mit seiner Situation war. Selbst wenn er ein guter Lehrer gewesen wäre, was er leider auch nicht war: Der Mann konnte mich nicht dort abholen, wo ich stand. Weder sein Fehler noch meiner. Er war einfach nicht der richtige Lehrer für mich.

3 Killer-Sätze meines ersten Yogalehrers

 

Platz 1: Ich darf das mit ihr machen. Ich habe sie schon nackt gesehen. 

 

Nein… Ich war weder in einem FSK18 Film noch ein Tantra Kurs. Ganz normales Yoga. Die Kurzfassung: Eine Yogaschülerin, gekleidet in reinweißen, leicht transparenten Leggings und Top, liegt auf dem Rücken. Der Lehrer schnappt ihren Fuß, legt ihn sich auf die Schulter und beugt sich über sie. Er wollte ihre Oberschenkelrückseite dehnen und beugte sich dazu noch tiefer über sie. Und ich schwöre… nachdem alle mit offener Kinnlade zugesehen haben (und wir uns die Stellung alle für daheim notiert hatten) sagte der Typ doch ernsthaft: „Keine Sorge, ich darf das mit ihr machen. Ich habe sie schon nackt gesehen, weil sie immer zur Massage kommt.“ Da errötete dann auch die Dame unter ihm.

Yogalehrer können sich verschiedener Kanäle bedienen, um Positionen anzuleiten – einer davon ist taktil. Das heißt, dass der Teilnehmer per Berührung den richtigen Reiz bekommt, um eine Haltung noch intensiver zu erfahren bzw. gleichermaßen sicher, stabil und gelöst ist. Aber: Ohne in seine Intimsphäre einzudringen. Das ist natürlich ganz individuell und hängt von der jeweiligen Beziehung ab, in der zwei Menschen zueinander stehen.

 

Platz 2: Beine hochkicken – Kopfstand! 

 

Ich hatte bereits damals so eine Ahnung, dass das nicht gut sein kann, wenn fünf von zehn Leuten nach einer Übung Nackenschmerzen haben. Der Lehrer fand es aber trotzdem eine prima Idee, dass wir unseren Scheitel auf den Boden pressen und die Beine mit Schwung hochfliegen lassen. Nach dem Motto „Learning by doing“ muss er sich gedacht haben. Leider bringt das alles nichts, wenn ich meine Abende nach einem fünf Yoga Einheiten beim Physiotherapeuten zubringe…

Platz 3: Seit ich nicht mehr bei meinem Meister in Indien bin, bin ich so unglücklich. Deshalb kann ich nicht mehr aufhören zu essen.

 

Die Körperfülle und Ausrichtung des besagten Lehrers ermöglichte es mir in den ersten Stunden wirklich kaum, den Unterschied zwischen mancher seiner Asanas auszumachen. Er wusste das wohl, und lud seine hübsche Freundin regelmäßig als Modell ein. Er musste deshalb auch versunsichert gewesen sein, weil er ständig von seinem Meister in Indien berichtete, wie unglücklich er zurück in Österreich ist und dass er deshalb ständig essen müsse.

Ich will mich hier nicht darüber auslassen, dass ein Mensch beleibt ist oder unglücklich und unsicher. Es ist mir an dieser Stelle aber ein großes Bedürfnis dir zu sagen: Solltest du das Gefühl haben, dein Yogalehrer ist irgendwie schräg: SUCH DIR EINEN NEUEN! So einfach ist das. Die Chancen stehen nämlich sehr gut, dass da draußen noch genau der Mensch ist, der dir genau das Yoga schenken kann, das du suchst! Gerade wenn du neu bist lohnt es sich, dir ein paar unterschiedliche Stile anzusehen und deinen zu finden.

Yoga ist so vielschichtig, ich bin überzeugt, da ist für jeden das richtige dabei!

Ich habe selbst in einige Kurse reingeschnuppert, bis ich eine Schule gefunden habe, in der ich mich wohl gefühlt habe. Und jetzt will ich dich dazu ermuntern, den richtigen Lehrer für dich zu finden. Und dafür habe ich einige Kriterien zusammen gefasst, auf die du in achten kannst:

Kriterien für die Wahl deines Yogalehrers 

 

Persönlichkeit

Würdest du deinen heiligen Feierabend mit Freunden verbringen, die du eigentlich nicht leiden kannst und die auf deinen Gefühlen herum trampeln? Wohl eher nicht. Die kostbare Freizeit gilt es mit Menschen zu verbringen, mit denen man seine Akkus aufladen kann. Und das gilt auch für Yoga. Egal ob in der Gruppe oder beim Personal Training: Du solltest dich wohl und aufgehoben fühlen.

 

Sensibilität

Dein Yogalehrer kann dich empathisch in deiner Praxis begleiten. Du wirst motiviert und gefördert, ohne dass du dazu gepusht wirst übers Limit hinaus zu schießen. Wenn du deine Grenzen erfahren möchtest, spielt natürlich auch Vertrauen eine große Rolle.

 

Fachliches Know-how

Dein Vertrauen sollte natürlich in guten Händen sein. Aber woran erkennst du, dass dein Lehrer auch wirklich weiß, wovon er spricht? Die Antwort wird wohl einen eigenen Bericht füllen. Frage den Lehrer ruhig, welche Ausbildung und Grundlagen er hat und verlasse dich auf deine Menschenkenntnis.

Eins kann ich dir versichern: Wenn du ohne spezielle Vorbereitung und Unterstützung in den Kopfstand gehen musst, ist das ein ziemlich eindeutiges Zeichen, dass dein Lehrer sich nicht sehr intensiv mit Ausrichtung und Anatomie beschäftigt. Solltest du an einer körperlichen Praxis interessiert sein, ist das bestimmt keine gute Voraussetzung!

 

Didaktisches Know-how

Es bringt nicht viel, wenn du einen Guru vor dir hast, du aber einfach nicht raffst, was er dir da nahe zu legen versucht. Es ist wie im Mathemaktik Unterricht: Der Lehrer kann dir die Formeln erklären, Rechenbeispiele vorzeigen und dir neue Lösungswege eröffnen. Oder er kann sich hinter seinem Pult verstecken und sein Ding nach Schema F durchziehen. Du hast die Wahl, welchen Lehrer du dir wünscht!

 

Positive Lebenseinstellung

Yoga ist mehr als Asana.Wenn dir dein Lehrer neben körperlichen Übungen aber auch Botschaften fürs Leben mitgeben soll, sollte er halbwegs mit sich und der Welt im Reinen sein ODER zumindest seinen Schutt nicht bei dir abladen. Das wäre, als konsultiertest du einen Therapeuten, der sich dann an deiner Schulter ausweint.

Ein Lehrer sagte vor Jahren zu mir: „Das wirst du wahrscheinlich nie schaffen.“ Mein unterer Rücken war so steif, dass ich im herabschauenden Hund immer einen kleinen Buckel gemacht habe. Diese negative Haltung ging mitten ins Herz. Muss ich akzeptieren was ist, werde ich nie über mich hinauswachsen? Mein Fokus war so fixiert auf diesen Schwachpunkt, dass ich heute, Jahre später, bereits mehrfach darauf angesprochen wurde, wie flexibel ich hier eigentlich bin. Das Ergebnis ist super. Du darfst entscheiden, ob du auch den Weg optimal findest!

 

Authenizität

Wer mag schon einen Priester, der auf der Kanzel Mitgefühl predigt und zu Hause seinen Hund tritt? Egal welche Ansätze dein Lehrer dir mitzugeben sucht – Er sollte keine Inhalte nachbeten, die er selbst nicht versteht.

 

Stil

Power Yoga, Ashtanga Yoga, Sivananda Yoga… Die Liste der Yoga-Stile ist lang, sehr lang. Und sie wird noch länger wenn man bedenkt, dass jeder Lehrer seine individuellen Erfahrungen einbringt. Und das ist fabelhaft. Das gibt dir die Möglichkeit den Lehrer zu finden, der dich genau dort abholt, wo du jetzt stehst. Und der nächste Lehrer bringt dich von dort wieder ein Stück weiter. Und so kommst du dem ultimativen Ziel des Yoga Schritt für Schritt näher…

Warum Schweigen eher einen Bandscheibenvorfall
als Gold wert ist

Rede mit deinem Yogalehrer. Teile ihm mit, wie es dir geht was du brauchst. Ich bitte dich nicht darum, ihn vollzulabern. Es macht sogar Sinn, erst einmal genau in sich hineinzuhören und festzustellen, was da eigentlich abgeht. Wenn dir aber einfach nicht sicher bist, ob es beispielsweise der intensive Dehnreiz ist, der dir zu schaffen machst, oder ob du doch etwas falsch machst: Trau dich und formuliere deine Empfindungen! Vielleicht brennt deinem Nachbarn genau die selbe Frage auf der Seele!

 
 
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