Das Wort Savasana oder Todeshaltung ist beängstigend und wird deshalb oft verdrängt. All Hallows‘ Eve – die Nacht zu Allerheiligen – ist wohl ein Weg, dieser Angst spielerisch ins Auge zu sehen. (Der Brauch geht auf die Kelten zurück und wurde von den Iren nach Amerika gebracht.)

Vielen Dank für deine Offenheit und den Mut, auf diesen Link zu klicken. In diesem Artikel erfährst du…

…was Savasana bedeutet,
…wie es funktioniert,
…wie du dir bei Rückenschmerzen und in der Schwangerschaft helfen kannst und
…welche Vorteile diese Körperhaltung für dein System hat.

halloween

Savasana und der Herbst

Die Laubbäume lassen ihre Blätter und wir freuen uns über die bunten Farben und das Rascheln unter unseren Füßen. Der Blätterfall ist für den Baum lebensnotwendig, um den kalten und wasserarmen Winter zu überstehen. Er zieht das Wasser aus den Blättern in die Wurzeln und schaltet seinen Stoffwechsel auf Sparflamme.

Vor ein paar Jahren wurde eine in Dubai lebende Philippinin am Flughafen in Salzburg abgeholt. Am Heimweg wurde sie plötzlich ganz blass und still. Bis sie sich endlich zu fragen traute: „Warum sterben all diese Bäume hier?“ In gewisser Weise hatte sie Recht.

Die Bäume sterben im Herbst einen kleinen Tod, um im Winter wieder voller Pracht blühen zu können.

Vor allem diese Wochen im Herbst – rund um Halloween und Allerheiligen, sind eine wunderbare Zeit – uns dies ins Bewusstsein zu rufen.

Mors certa, hora incerta.
Der Tod ist sicher, nur die Stunde ist ungewiss.

Das Einzige, das im Leben gewiss ist, ist der Tod. Das Einzige, das wirklich ungewiss ist, ist der Zeitpunkt.

Zugegeben: Ich erschaudere selbst bei dem Gedanken und bekomme Gänsehaut.

Der Tod hat in meinem Leben schon einige Male angeklopft und geliebte Menschen mitgenommen. Mein Schutzengel hat mich auch schon aus so manch einer Klemme geholt.

Ich kann ich aber auch sagen, dass diese Endlichkeit – oder vielmehr die Bewusstheit darüber – mich mit Dankbarkeit erfüllt.

Das Leben ist plötzlich nicht mehr selbstverständlich und ich bin dankbar für jeden Atemzug, den ich dieses Abenteuer erleben und mit meinem Wirken für andere da sein kann.

So wie ein glücklicher Tag einen glücklichen Schlaf bringt, so bringt ein glückliches Leben einen glücklichen Tod.
~ Leonardo da Vinci

 

Savasana – Die Totenstille im Yoga

Der Tod klopft auch auf der Yoga Matte an. Okay, nicht tatsächlich. Aber im übertragenen Sinne sehr wohl:

Savasana ist Sanskrit und bedeutet Ruhehaltung oder Todesstellung. Sava steht dabei für Leichnam und Asana weist darauf hin, dass es sich um eine Körperhaltung handelt.

Der Tod ist das zeitliche Ende eines zeitlichen Phänomens. Der Tod bedeutet das Erlöschen des psychischen Lebens, der Wärme und des Bewusstseins eines Individuums in einer bestimmten Existenz. Der Tod ist nicht das völlige Auslöschen eines Wesens. Tod an einem Ort bedeutet Geburt an einem anderen Ort, so wie nach unseren herkömmlichen Begriffen der Sonnenaufgang an einem Ort den Sonnenuntergang an anderer Stelle bedeutet.
~ Narada: „A Manual of Abhidhamma

Vorteile von Savasana

Gerade nach einer körperlich und oder mental intensiven Yoga Einheit hast du in Savasana die Chance, die Erfahrung wirken zu lassen und zu integrieren.
Savasana lehrt dich, in die Stille einzutauchen. Die Entspannung von Körper & Kopf wird geschult.
Du hast die Chance, die Augen nach außen zu schließen und nach innen zu öffnen.
Der Parasympathikus wird aktiviert und der Sympathikus reduziert. Der Körper schaltet auf Ruhemodus und lädt seine Akkus auf bzw. startet bei der Gelegenheit oft auch die Verdauung.
Stresshormone werden abgebaut. Glückshormone werden ausgeschüttet. Diese körperlichen Vorgänge haben einen positiven Einfluss auf die Gesundheit, v.a. bei Migräne, Verdauungsbeschwerden und stressbedingten Krankheiten.

Step by Step to Savasana

  1. Lege dich mit aufgestellten Beinen auf den Rücken. Ziehe das Schambein hoch, hebe dein Becken an und lege es fersennah wieder auf die Matte.
  2. Strecke dein rechtes Bein in die Luft und spanne es fest an. Führe das Bein gestreckt tief bis zur Matte. Halte die Spannung im rechten Bein und drücke die Beinrückseite tief, während du das linke Bein ebenso aktiv zur Matte bringst. Entspanne beide Beine und lasse die Füße nach außen sinken.
  3. Greife deine Schultern diagonal, als ob du dich selbst umarmen möchtest. Hebe deinen Rumpf an und ziehe deinen Schultergürtel auseinander, um Raum zu schaffen und den Rumpf breitflächig auf die Matte abzulegen.
  4. Hebe den Kopf an und lege den Hinterkopf weit hinten ab, so dass der Nacken lang gestreckt wird.
  5. Hebe das Kinn eine Spur an, sodass auch der Nacken lang ist.
  6. Schließe die Augen nach aussen und öffne sie nach innen.
  7. Wenn nun alles gut ist und du dich gebettet fühlst: Triff nun die Vereinbarung mit dir selbst in der Stille zu bleiben.
  8. Lege die Hände neben deinem Becken auf die Matte, die Handflächen zeigen nach oben.
  9. Atme noch drei Mal tief durch. Tiefer, als du es bräuchtest, um auch von innen Raum zu schaffen.

 

Savasana

 

Das Nicht Tun in Savasana

In Savasana liegt das Tun im Nicht Tun. Während der Geist dem Strom des Atems folgt, glätten sich die Wogen im Kopf. Die Hingabe klärt die Gedanken. Du tust nicht. Du bist.

Gerade bei uns im Westen wird nicht viel Wert auf Nicht Tun gelegt. Ja, wir haben es sogar verlernt!

Praktiziere, und alles kommt. Entspanne dich, und alles geht.

Savasana lehrt dich loszulassen, dich fallen zu lassen und die Balance von Tun und Nicht Tun, von Leben und Tod zu erkennen. Es ist eine Einladung für inneren Frieden und Gleichmut.

  1. Lasse den Atem kommen und gehen. Spüre, wie der Atem leicht kühl über die Nase einströmt und vom Körper erwärmt wieder geht.
  2. Bemerke, wie der Atem fließt. Der Luftstrom wie von selbst kommt und geht.
  3. Spüre, deinen Körper auf der Matte. Spüre, wo du sie berührst und wo nicht.
  4. Lasse dich mit jeder Ausatmung schwerer auf die Matte sinken.
  5. Scanne durch deinen Körper, ob noch irgendwo Spannung ist, die du nun gehen lassen möchtest. Beginne bei den Zehen und wandere über die Muskelzüge von Gelenk zu Gelenk hoch. Vor allem im Becken, Bauch, Brustkorb, Hals, Nacken, Kiefer, Lippen, Zunge, Augen, Augäpfel, Stirn … das sind alles Bereich, wo wir besonders viel Spannung mit uns herumtragen. Chronisch, so dass wir es kaum noch bemerken.
  6. Nimm die Rolle eines Beobachters ein. An manchen Tagen wird dir das ganz leicht fallen, an anderen Tagen wirst du dich vielleicht ruhelos fühlen. Erlaube dir ruhig und gelassen zu bleiben und vertrauen darauf, dass dich jeder Atemzug in den Moment, ins Hier und Jetzt, bringt. Die friedliche Ruhe zwischen all den Gedanken wird anfangs vielleicht hier und da mal kurz vorbei schauen und mitunter immer längere Zeiten einnehmen.
  7. Bevor du dich von der Haltung löst, nimm noch eine Momentaufnahme: Wie fühlst du dich auf körperlicher, mentaler und emotionaler Ebene? Nimm auch wahr, ob du dich generell ausgeruhter, ruhiger und gelassener fühlst als vor dem Yoga.
  8. Wenn du möchtest, kannst du auch eine Intention setzen: Was möchtest du bewusst hinter dir lassen und was mitnehmen.
  9. Atme noch drei Mal tief durch und mit einem Seufzen wieder aus.
  10. Beginne dich intuitiv wieder zu bewegen, zu strecken und zu räkeln und dich noch einmal gemütlich auf die Seite zu rollen, bevor du dich wieder aufsetzt.

 

Wie lange dauert eine gute Savasana?

Es gibt Empfehlungen à là fünf Minuten je halbe Stunde körperliches Yoga. Meiner Ansicht nach kommt es jedoch ganz auf die Intention der Stunde an, wie lange man tatsächlich in Savasana inne hält.

Generell lasse ich Bewertungen wie gut oder schlecht in meinen Yoga Stunden vor der Türe. Meines Erachtens kennt Yoga genau so wie die indische Lehre des Lebens – Ayruveda – keine fixen Regeln, sondern Empfehlungen, die Erfahrung schaffen und inneren Wachstum fördern.

Savasana sollte Teil jeder Yoga Praxis sein. Ob es nun eine Minute oder fünfzehn sind, ob die Zeit bewusst oder unruhige empfunden wird sei dahin gestellt.

Savasana yoga decke

Rückenschmerzen in Savasana

Schmerzt oder drückt deine Lendenwirbelsäule in Savasana, solltest du vorübergehend eine Alternative für dich finden. Hier ein paar Vorschläge:

  1. Stelle die Beine mattenbreit auf und lassen die Knie zueinander sinken.
  2. Lege deine Beine im rechten Winkel (in der Hüfte und den Knien) auf einem Hocker ab. Diese Haltung ist vor allem bei akuten Schmerzen im unteren Rücken traumhaft und wirkt lösend.
    Welche Übungen ich sonst noch bei lumbaler Dysfunktion liebe erfährst du in meinem Artikel Yoga bei Hexenschuss.
  3. Lasse die Beine ausgestreckt und lege dir einen Polster unter die Kniekehlen. Die Beugung der Knie nimmt den Druck & Zug der oberflächlichen Rückenlinie aus dem Rücken.
  4. Schwangere Frauen können ihren Kopf und Brustkorb auf einen Polster erhöhen, wenn das angenehm ist.

hexenschuss was tun

Weitere Herausforderung in Savasana

Savasana ist kein Power Nap. Anstatt wegzupennen oder sich fortzuträumen geht es vielmehr darum, bewusst loszulassen. Wenn du einschläfst, verurteile oder schäme dich nicht. Erkenne an, dass du offensichtlich sehr müde warst und Ruhe gebraucht hast. Wisse aber auch, dass es bei Savasana tatsächlich um Wachheit geht.
Obwohl die Pose nach außen sehr ruhig aussieht, kann es nach innen ordentlich rund gehen.

  • Habe ich die Parkgebühr bezahlt?
  • Ich hab Hunger?
  • Wie lange dauert es noch?
  • Was muss ich noch einkaufen?
  • Habe ich geschnarcht?
  • Hoffentlich habe ich gerade nicht geschnarcht, das ist peinlich!
  • Wie heißt das Lied noch gleich?
  • Was schenke ich Sabrina zum Geburtstag?

 

Es ist normal, dass das Köpfchen die Oberhand bewahren will. Habe hier besonders viel Geduld mit dir.

Der schaffende Geist sucht sich in Savasana oft Aufgaben.

Persönlich beginne ich oft mit irgendwelchen Atemübungen und Atemverhaltungen. An sich ist nichts schlechtes an Atemübungen, nur ist das nicht Ziel dieser Übung. Diese Position bedeutet wirklich alles loszulassen.

So wie ein Computer, den man neu startet, wenn er zu viel Rechenkapazität braucht und langsam wird!

 

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