Im Jänner habe ich angekündigt, dass ich eine Zeit lang ohne Zucker auskommen möchte. Unter dem Motto „Ich bin süß genug“ wollte ich raffinierten Zucker, Honig, Sirup, Früchte, Milchprodukte und einfache Kohlehydrate von meinem Speiseplan streichen. Mein Mantra für diese Woche lautete: Ich bin süß genug.

Zucker war für mich 2014 zum Energiekick zwischen Beruf, Berufung, Wohnungsbau und Privatleben geworden. Wenn die Kreativität und Schaffenskraft am Nachmittag das Tief erreicht hatte, genügte ein Griff in die Zuckerschatzkiste. Je größer die Herausforderungen je größer das Energiebedürfnis.

Der Zucker hatte tatsächlich eine leistungssteigernde und beruhigende Wirkung.Keine Schreibblockade (ich arbeitete gerade als Werbetexterin und Chefredakteurin), die nicht mit einem guten Stück Kuchen überwindbar war.

Anfangs nahm ich die Pause als willkommenes Hocherlebnis wahr. Nach einiger Zeit fühlte ich mich als Sklave meines Insulinspiegels. Ich brauchte das weiße Pulver um meine Herausforderungen zu bewältigen. Es war genug!

Hallo, mein Name ist Marlen und ich bin anonyme Zuckerholikerin. 

Die Erkenntnisse, die ich darüber heuer gemacht hatte, hatten aber sehr viel weniger mit meinem Insulinspiegel zu tun, als du vielleicht glauben möchtest.

Es gestaltete sich als denkbar schwierig, auf Befehl alle einfachen Kohlehydrate und Zucker zu streichen und mich zu entwöhnen.

Zuerst durfte ich allerlei Ersatz finden: Sport, frische Luft, Yoga … alles das, was kraftspendend wirkte. Aber an manchen Tage konnte ich kaum genug Kraft tanken oder hatte überhaupt keine Zeit für mich. Zucker schien die schnellste und effektivste Lösung. Ich begann mich zu fragen, was in mir nach so viel Energie ruft. So viel mehr, als ich zum überleben brauchte.

Eher unbewusst als bewusst hat das zu allerlei Änderungen in meinem Leben geführt. Ich habe all das, was mir zu viel Energie raubt hinter mir gelassen und durch Tätigkeiten ersetzt, bei denen ich mich stark und lebendig fühle.

Wie von selbst löste sich mein Hunger nach Zucker, indem ich meinen Hunger nach leben gestellt hatte. 

Das spannendste an dem Projekt war nicht, keinen Zucker zu essen, sondern zu sehen, warum ich tue was ich tue. Und wie ich es besser machen kann.

Johann Hari hat für TED über Süchte gesprochen und von einem genialen Experiment berichtet:

Wenn sich Labormäuse zwischen reinem Wasser und drogenhaltigem Wasser entscheiden können, konsumieren sie zumeist das drogenhaltige Wasser und bringen sich innerhalb von kürzester Zeit durch eine Überdosis um. Wenn diese Labormäuse nun nicht mehr in einem trostlosen Käfig sondern in einer Spielwiese – Rat Park, wie Johann Hari es nannte – aus guter Nahrung, einem sozialen Gefüge und angenehmen Zeitvertreib leben wendet sich das Blatt: Kaum eine Maus greift zu den Drogen und nicht eine einzige stirbt an einer Überdosis.

 

Nun mögen wir gerne glauben, dass wir Menschen etwas besseres sind. Aber im Grund ticken wir genau so. Gib uns was wir brauchen, um uns glücklich und ganz zu fühlen und wir werden unseren Süchten nicht mehr so einfach erliegen.

Alles, was du tun musst, um deinen Süchten zu begegnen, ist ihren Ursprung zu enttarnen. Mir mangelte es an Energie für all die Projekte, die ich meistern wollte. Aber anstatt immer mehr Energie in Form von Zucker reinzuschaufeln galt es meine Energieräuber enttarnen und nach der Reihe auflösen.

Rückblickend ist das nun einfach gesagt. Tatsächlich war dies ein Prozess, der mich heuer über einige Monate begleitet hat. Und den ich mir immer wieder ansehen darf.

Einige meiner Erfahrungen auf diesem Weg habe ich in diesem Artikel für dich zusammengefasst. Ich nenne es das Zehn Stufen Programm für anonyme Zuckerholiker.

 

Die zehn Stufen der anonymen Zuckerholiker

1. Einsicht
Wir Menschen wollen alles unter unsere Kontrolle zu bringen. Eingestehen, dass so etwas banales wie Zucker Kontrolle ausübt, ist daher bereits ein großer Schritt. Beobachte dich selbst: Wie oft am Tag isst du Zucker, Kuchen, gesüßte Industrieprodukte etc. und wie geht es dir, wenn du nicht mehr vom Honigtopf naschen darfst?
2. Vertrauen
Dienen dir deine Glaubenssätze oder beherrschen sie dich? Wenn eine Stimme in dir schreit “Ich brauche mein Red Bull um leistungsfähig zu bleiben!” oder “Ich brauche das weiße Pulver für meinen Blutzuckerspiegel.”: Hab Vertrauen.
Vertraue darauf, dass dein Glück und dein Erfolg nicht abhängig von einfachen Kohlehydraten ist. Bei Risiken und Nebenwirkungen sprich an dieser Stelle gerne mit deinem Arzt oder Apotheker.
3. Entschluss
Sage entschlossen Ja zu einer zuckerfreien Zeit und überlege dir den dafür notwendigen Rahmen. Brauchst du Ruhe und Rückzug oder Bewegung und Ablenkung? Finde einen entsprechende Zeit in deinem Terminkalender und blockiere einen für dich vernünftigen Zeitrahmen. Ein bis Sechs Wochen sind sind super für den Anfang. Plane auch eine Woche Vorlaufzeit ein, in der du den Zucker Schritt für Schritt reduzierst.
4. Entrümpeln
Entrümple deine Schränke und bringe alle süßen Verführungen deinen Freunden und Verwandten vorbei. Überprüfe dabei sämtliche Zutatenlisten: Zucker ist heute in fast allen industriell verarbeiteten Lebensmitteln enthalten. Was auf -ose oder -sirup endet, ist Zucker. Ebenso Maltodextrin, Malz, Süßmolke oder natürliche Fruchtsüße.
Wenn die Beschenkten dankend annehmen, freue dich mit ihnen. Wenn nicht, ziehe sie auf deine Seite und hole dir deine ersten Accountability Buddy… Also jemanden, mit dem du den Weg gemeinsam gehen kannst.
5. Accountability Buddy
Sprich mit einem Gleichgesinnten über deine Herausforderungen und Ängste genauso wie über Tips und Tricks, die dir bei deinem Programm helfen werden.

6. Reflektion
Vor allem Erwachsenen fällt Veränderung oft sehr schwer. Dabei ist gerade die bewusste Auseinandersetzung mit seinen eigenen Mustern eine großartige Chance für Weiterentwicklung. Nutze diese Chance und reflektiere über jeden einzelnen Step. Hole dir dafür ein Stück Papier, auf dem du deine positiven und negativen Gedanken sammeln kannst.

7. Substitut
Wenn du deinem Körper etwas wegnimmst, darfst du ihm im Gegenzug etwas dafür geben. Das ist, als ob du einem Kind den Schnuller abgewöhnst. Du schaust ja auch nicht auf deinen kleinen Engel hinab und sagst laut: “So! Genug mit der Fopperei, das ist ja kindisch.” Hoffe ich jedenfalls. Im besten Fall wirst du liebevoll erklären, warum es an der Zeit ist, etwas zu verändern, und dein Kind für seinen Mut belohnen.
Was macht dir Freude und bringt dir Energie wie Zucker, und schadet dabei weder deinen Zähnen noch deinem Körper? (Rauchen ist keine gute Alternative 😉

8. Der kalte Truthan
Es wird Ernst, Tag X steht ins Haus und der Zucker ist aus. Nutze gerne deine Vorlaufzeit. Wenn du bisher fünf Mal am Tag Zucker zu dir genommen hast, reduziere alle zwei Tage um eine Zuckerbombe.
Der dritte bis zehnte zuckerfreie Tag ist für viele am Schwersten. Sei nicht zu hart zu dir, wenn du pampig wirst oder ungeduldig. Schreibe in dein Tagebuch und sprich mit deinem Accountability Buddy. Setze dich mit einem ungesüßten Tee und einem guten Buch hin und gehe früh ins Bett.

9. Süße Alternativen
So wie nach dem Fasten empfehlen sich zum Abschluss der zuckerfreien Tage eine gemäßigte Aufbauphase. Nein, du sollst natürlich nicht zum nächsten Konditor stürmen und Käsekuchen ordern. Versuche es für den Anfang mit einem frischen Obstsalat mit reifen Früchten, etwas Kokosblütensirup in deinem Müsli, einem Teelöffel echtem Honig im Tee oder einer hausgemachten heißen Schokolade aus Rohkakao und einem Hauch Rohrohrzucker. Du wirst merken, wie empfindlich deine Geschmacksknospen plötzlich sind und nur wenig Zucker ein wahres Feuerwerk auslösen kann.

10. Partyzeit
Wenn du deine zuckerfreie Zeit geschafft hast, darfst du dir auf die Schultern klopfen. Suuper gemacht! Am Besten du feierst trotzdem nicht alleine daheim mit einer großen Schüssel Mousse au Chocolat nur für dich. Die Chancen stehen gut, dass die Schüssel am Ende leer ist und du Bauchweh hast. Erzähle lieber deinen Freunden von deinem tollen Erfolg und berichte jedem, der es hören will, wie toll du dich jetzt fühlst.

 

Erzähle auch mir von deinen Erfahrungen und hinterlasse mir ein Kommentar. Ich freue mich über den Austausch mit dir!

 
 
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